Simone Dalbert – Bloggerin, Buchhändlerin und eBook-Expertin – schreibt für edel & electric in loser Folge Texte. Heute gibt es von ihr einen Artikel über Affiliateprogramme für Blogger und was da wirklich hinter steckt.

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Manch ein Blogger würde für all die Zeit und das Engagement, die er in sein Blog steckt, auch gerne finanziell entlohnt werden. Als Buchblogger gar nicht so einfach. Aber eine Methode gibt es, mit der man seinen Geldbeutel theoretisch leicht füllen könnte. Die Rede ist von Affiliate Programmen. Aber was ist das und wie funktioniert es? Wer bietet das an? Kommt dann wirklich der Geldsegen?

Was ist Affiliate?

Wikipedia definiert Affiliate folgendermaßen: Affiliate-Systeme (engl. affiliate „angliedern“) sind internetgestützte Vertriebsarten, bei denen in der Regel ein kommerzieller Anbieter (engl. Merchant oder Advertiser) seine Vertriebspartner (engl. Affiliates oder Publisher) durch Provisionen vergütet.

Affiliate  für Blogger meint also: jemand bietet Waren im Internet an und bezahlt die Betreiber anderer Seiten dafür, dass sie auf in ihren Beiträgen auf die Waren in seinem Shop verlinken, wenn über diesen Link ein Verkauf zustande kam. Wenn man zum Beispiel auf einem Buchblog ein Buch bespricht und in der Besprechung auf dieses Buch im Shop eines Online-Händlers verlinkt, ein Leser klickt auf diesen Link und kauft es dort, bekommt der Buch-Blogger dafür eine Provision. Gibt es natürlich nicht nur für Bücher, aber als Buchbloggerin, Buchhändlerin und rundherum Buchmensch beschränke ich mich in diesem Artikel auf Beispiele von Affiliatepartnern für Buchblogger. Natürlich kann man Affiliatelinks aber auch auf und von allen möglichen anderen Seiten nutzen.

Wie funktioniert das für mich als Blogger?

Es braucht einen Affiliate-Link, den man in seinem Blog an passender Stelle einbaut, anhand dessen der Shopbetreiber erkennt, dass der generierte Kauf von einem Leser meiner Seite ausging. Diese Links werden über Affiliateanbieter generiert. Je nach Höhe des Umsatzes oder Anzahl der Verkäufe innerhalb eines bestimmten Zeitraums bekommt der Blogbetreiber dann eine Provision. Interessant ist dabei, dass meistens nicht nur der Umsatz gerechnet wird, der mit dem verlinkten Artikel explizit generiert wurde, sondern der Gesamtumsatz des Einkaufs zählt, der nach dem Klicken getätigt wurde. Wenn der Käufer also auch noch andere Bücher kauft, nachdem er über diesen Link zum Shop kam, zählt der Umsatz mit im Affiliateprogramm.

Wer bietet Affiliate Programme an?Untitled design

Es gibt verschiedene Buchhandels-Shops, die Affiliate Programme anbieten. Zum Beispiel das Partnerprogramm von Amazon. Die Höhe der Provision richtet sich hier nach der Produktkategorie und liegt zwischen 1% und 10%, für Bücher beträgt sie zum Beispiel 7%.

Aber auch Thalia, Hugendubel, bücher.de und Osiander bieten ähnliche Partnerprogramme an. Wie sehen die Konditionen beim Osiander Partnerprogramm aus? Abhängig vom Nettoumsatz staffelt Osiander die Provision von 5% – 8%. Bücher.de zahlt abhängig von der Anzahl der Sales bis zu 11% Provision aus. Thalia vergütet Buchverkäufe über das Partnerprogramm mit bis zu 10% Provision, abhängig vom Sortiment. Bücher werden mit 10% provisioniert, Nicht-Bücher mit 4,5%. Bei Hugendubel liegen die Provisionen zwischen 7% und 10%, abhängig von der Anzahl der ausgelösten Verkäufe.

10% Provision klingen gar nicht schlecht, damit müsste sich doch Geld verdienen lassen? Ja, wenn die Blogleser tatsächlich auf den Link klicken und dort kaufen, wohin er sie leitet. Schon das Klicken ist gar nicht so häufig, wie man es sich wünscht. Nur Buchblogs mit hohen Reichweiten dürften nennenswerte Klickraten erreichen und damit überhaupt Chancen haben, über Affiliate Programme nennenswerte Umsätze zu generieren. Ich kenne keinen, der damit reich geworden wäre oder auch nur davon leben könnte.  Ist der verlinkte Shop dann noch einer, bei dem der Leser und potentielle Käufer noch kein Benutzerkonto hat, ist die Abbruchrate hoch. Alle Angaben neu eintragen, sich noch ein Passwort merken, da geht man doch lieber schnell in einen Shop, in dem man sowieso schon ein Konto hat. Und schon war es wieder nichts mit der Provision für den Blogger. Hat man moralische Bedenken, auf einen Online-Riesen wie Amazon zu verlinken, wird die erzeugte Provision niedriger ausfallen, weil das der Shop ist, bei dem die meisten sowieso schon ein Benutzerkonto haben. Dort ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass ein Kauf auch abgeschlossen wird.

Bei den Affiliate Partnerprogrammen geht es manchen Bloggern aber nicht nur um die Möglichkeit Geld zu verdienen, um damit die Kosten zu decken. Ein anderer Grund für die Nutzung solcher Programme ist die Verwendung der Coverdateien. Nicht jeder Blogger ist ein begnadeter Fotograf und hat die Möglichkeit, selbst ansprechende Bilder zu fotografieren. Auch wenn das in Zeiten der Handyfotografie und von Instagram schon wesentlich einfacher ist, als es früher war. Warum auch immer, man möchte vielleicht gerne das Coverbild des Buches verwenden.
Anbieter

Coverbilder einsetzen

Bilder zu verwenden, die man nicht selbst gemacht hat, verstößt in den meisten Fällen gegen das Urheberrecht. Wer Coverbilder korrekt verwenden will um Abmahnungen zu entgehen, muss das Recht erlangen, das zu tun. Eine Möglichkeit wäre, jeden Verlag einzeln anzufragen, ob man die Coverabbildung nutzen darf. Das ist Verwaltungsaufwand. Eine andere Möglichkeit ist, an einem Affiliateprogramm teilzunehmen, das auch die Nutzung der Bilder beinhaltet. Dass das nicht bei allen möglich ist liegt daran, dass die meisten Shops nur das Recht haben, die Coverdaten selbst in ihren Shops einzusetzen, aber nicht, sie weiterzugeben. Ausnahmen sind die Programme von Amazon und buecher.de.

Wenn es einem nur um die Coverabbildung und nicht um die Provision geht, ist das Blogger-Partnerprogramm von buchhandel.de eine sinnvolle Alternative. Über einen Link kann man Coverbilder rechtssicher in seine Blogbeiträge einbauen. Eine Provision für generierte Verkäufe gibt es hier allerdings nicht. Über buchhandel.de verlinkt man auf alle angeschlossenen Buchhändler, die für jede abgeschlossene Bestellung eine Provision an buchhandel.de zahlen. Ein Affiliate-Programm mit Provisionszahlung ist momentan nicht geplant, weil man die Kosten für die Buchhändler möglichst gering halten möchte, die zu zahlende Provision an die Partner würde zur Grundgebühr noch dazu kommen und sie damit vermehrfachen.

Fazit

Wer kein Problem damit hat auf Amazon zu verlinken und eine ansehnliche Reichweite vorweisen kann, kann damit Serverkosten etc. wieder einspielen. Reich wird er damit wahrscheinlich aber nicht. Wer den Online-Riesen nicht unterstützen möchte, kann es mit einer der Alternativen versuchen. Aus vielen Gesprächen mit anderen Bloggern bleibt allerdings der Schluss, dass diese Links leider noch weniger genutzt werden. Mit Affiliatelinks kann man sich durchaus ein Taschengeld verdienen, ich kenne aber noch keinen Buchblogger, der damit sein Leben finanzieren könnte.

Nach Abschluss eines Biologiestudiums hat Simone Dalbert eine Ausbildung zur Sortimentsbuchhändlerin gemacht. Seit zehn Jahren ist sie als Buchhändlerin in verschiedenen Bereichen tätig, unter anderem auch Social Media und Online-Marketing, Aufbau und Pflege des Online-Shops und die Warengruppe eBook. Sie führt in Buchhandlungen und Bibliotheken außerdem regelmäßig eBook-Informationsveranstaltungen durch. Bloggt und podcastet privat auf www.papiergefluester.com zu  Büchern, Buchhandel und eBooks.