Es ist soweit: Die Electric Nights gehen in die zweite Runde! Hamburger Blogger und Autoren treten am 29. März zur Literaturshow der Extraklasse an: dem Blogger Book Pitch. Jeder Blogger hat 10 Minuten Zeit, um das eigene Lieblingsbuch gekonnt in Szene zu setzen. Wir stellen die Teilnehmer und Teilnehmmerinnen vorab in Interviews vor: heute stellt sich Bloggerin Miriam Semrau unseren Fragen.

475362_414554378606650_2069102225_oDu betreibst seit dem Jahr 2012 deinen Blog „Krimimimi“ – wie kam es dazu, dass du einen Buchblog eröffnen wolltest?

Ich war die Jahre vorher ja schon Teil des Blogger-Teams bei Lovelybooks und das löste sich 2012 auf. Zeitgleich entstand meine Radiosendung “Krimi mit Mimi” bei hr2 kultur und mir war schnell klar, dass ich auf einem eigenen Blog die Buchbesprechungen aus der Radiosendung als Podcast anbieten möchte. Je nach verfügbarer Zeit veröffentliche ich dort zusätzlich Besprechungen von Büchern, die ich nicht im Radio vorstellen kann, weil die Sendungszeit ja immer viel zu schnell vergeht.

Der Blogname deutet bereits an, dass du dich vor allen Dingen auf Kriminalromane spezialisiert hast. Woher kommt das Interesse an Spannungsliteratur?

Meine kriminelle Leselust begann wahrscheinlich mit dem Räuber Hotzenplotz und spätestens als ich TKKG-Kassetten entdeckte, begann auch meine Liebe zu Hörbüchern und Hörspielen. Seitdem liebe ich es, menschlichen Abgründen zu folgen, Tatmotive zu ergründen und Indizien logisch zusammenzufügen. Ich schätze, mich treibt eine Mischung aus Neugier und Gerechtigkeitssinn. Auf jeden Fall freu ich mich auf jeden neuen Krimi immer noch wie ein Kind.

Du bist nicht nur Bloggerin, sondern moderierst auch deine eigene Radiosendung („Krimi mit Mimi“, läuft einmal im Monat auf hr2 Kultur), in der du Krimitipps gibst. War es immer ein Wunsch von dir, anderen Büchertipps geben zu können?

Ich kann gar nicht anders als anderen von Büchern vorzuschwärmen, die mir besonders gut gefallen haben und verschenke seit ich denken kann am liebsten Bücher. Dass ich das eines Tages mal im Radio ausleben darf hätte ich mir aber nie träumen lassen und ich kneif mich immer noch jeden Monat kurz in den Arm, wenn ich vor dem Hessischen Rundfunk stehe und freu mich wie Bolle, dass dies nun Teil meines Lebens ist.

Wenn ich mir anschaue, was du so alles machst – du hast einen Vollzeitjob, bloggst und hast eine Radiosendung – dann habe ich den Eindruck, dass dein Tag mehr als 24 Stunden haben muss. Wie bringst du denn deinen Blog und deinen Job unter einen Hut?

Wenn ich darüber nachdenke, wunder ich mich auch immer, denn ich habe ja zusätzlich Freunde, die ich regelmäßig treffe und ab und zu gehe ich sogar noch zum Sport. Meine einzige Erklärung ist die, dass ich alles in meinem Leben wahnsinnig gern mache und daher jede Minute nutze. Und es hilft natürlich, dass ich problemlos zwei Dinge gleichzeitig machen kann (Achtung: Frauenvorurteil bestätigt). Sobald der Wecker morgens klingelt, schalte ich ein Hörbuch an und so bringt mich ein Krimi bis zur Bürotür. In der Mittagspause checke ich Emails von Verlagen und Autoren. Ich sportel immer mit Hörbuch im Ohr, ich telefoniere beim Autofahren, ich lese oder arbeite im Flieger und so geht das immer weiter. Ich wusste noch nie, was Langeweile ist.

Du lebst und arbeitest in Hamburg, hast du ein paar Empfehlungen für literarische Orte, die man in Hamburg unbedingt besuchen sollte?

Meine beiden Lieblingsbuchhandlungen sind immer einen Besuch wert: Das Büchereck Niendorf Nord ist eine mit Liebe und Kreativität geführte Buchhandlung, die wie man sich das wünscht persönliche Empfehlungen gibt und sogar Buchabos verkauft. Inzwischen ist dies meine Leib- und Magen-Buchhandlung geworden, denn dort ist nicht nur ein Schaufenster mit Tipps von meinem Blog gestaltet, sondern ich darf die meisten Lesungen mit Spannungsautoren moderieren. Das Jussi Krimicafè ist genau so einen Besuch wert und liegt gleich bei mir um die Ecke. Dort findet man mich mit Vorliebe sonntags, wenn es zusätzlich zu den köstlichen Kuchensorten auch frisch gebackene Waffeln gibt. Ich plaudere unheimlich gern mit der Inhaberin darüber, was wer gerade liest usw und meist entdecke ich dabei sogar einen skandinavischen Krimi, der dann direkt auf meinen Nachttisch wandert.

Zuletzt gab es immer wieder Debatten über das Spannungsfeld von Blogs und Feuilleton. Verfolgst du diese Debatte und wie würdest du dich in dieser Frage selbst positionieren?

Ich stolpere manchmal über diese Debatte und wunder mich dann immer, warum es sie überhaupt gibt. Wenn doch alle das gleiche Ziel haben, nämlich Menschen Bücher ans Herz zu legen, die sie begeistert haben (und sie meinetwegen auch manchmal vor Fehlgriffen zu bewahren), warum dann das Rumstreiten?

Wo siehst du denn die Chancen und Möglichkeiten von Blogs? Ist es für dich eher ein Hobby oder könntest du dir auch gut vorstellen, daraus einen Beruf zu machen?

Blogs können alles sein: schnelle Inspiration, gemütlicher Zeitvertreib an regnerischen Wochenenden, ein virtueller Ort, Gleichgesinnte kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen und und und. Für mich ist es momentan hauptsächlich der Ort, an dem jeder die Buchbesprechungen meiner Radiosendung nachhören kann. Nicht jeder sitzt gern am zweiten Dienstag des Monats am Radio. Bis vor einem Jahr habe ich dort auch zusätzlich viele Bücher empfohlen, die es nicht in die Sendung geschafft haben. Dann wurde mein Leben so turbulent, dass ich mich auf die Radiosendung konzentriert habe. Das soll sich aber dieses Jahr wieder ändern. Mein Blog ist für mich also der Ort, an dem ich so viel über Bücher schwärme, wie ich es gerade zeitlich in mein Leben bekomme und wenn ich diese Flexibilität in einen strategischen Plan zum Geldverdienen tauschen würde, würde ich die Lust daran verlieren. Ich liebe meinen Tagesjob genau so wie mein Buchleben und für mich hat beides die richtige Priorität in meinem Leben gefunden.

In den vergangenen Jahren hat die voranschreitende Digitalisierung einiges in der Buchbranche verändert. Hat sich dadurch auch dein eigenes Leseverhalten verändert?

Ich hab direkt den ersten Kindle gekauft, als er in den USA erschienen ist und lese seitdem viel und gerne digital. Allerdings lese ich wieder mehr gedruckte Bücher seit ich die Sendung moderiere, weil ich die Bücher gern im Studio dabei habe. Deshalb lese ich Krimis, Thriller und Noir meist gedruckt. Manchmal bekomme ich die Druckfahne vorab digital, lese die am iPhone und wenn das Buch kommt, streiche ich die mir wichtigen Stellen darin nochmal an. Bei den Büchern, die ich privat kaufe und lese (also alles außer Spannungsliteratur), haben digitale Bücher ca. einen Anteil von 40%.

Zum Abschluss würden wir gerne dein Lieblingszitat aus dem Buch erfahren, dass du bei der Electric Night vorstellen wirst!

“Ein Überlebender erkennt den anderen.”