Es ist soweit: Die Electric Nights gehen in die zweite Runde! Hamburger Blogger und Autoren treten am 29. März zur Literaturshow der Extraklasse an: dem Blogger Book Pitch. Jeder Blogger hat 10 Minuten Zeit, um das eigene Lieblingsbuch gekonnt in Szene zu setzen. Wir stellen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen vorab in Interviews vor: heute beantwortet Autorin, Übersetzerin und Bloggerin Isabel Bogdan unsere Fragen.

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Copyright: Smilla Dankert

Du hast Anglistik und Japanologie studiert.  Hast du dein Studium damals bereits mit dem Wunsch begonnen, Übersetzerin zu werden oder hat sich dieses Interesse erst im Laufe der Zeit entwickelt?

Nein, das kam erst hinterher. Im Studium wurde recht wenig übersetzt, aber ich habe es immer gern gemacht – die Idee, das zum Beruf zu machen, kam aber erst später.

Welche Fähigkeiten sind erforderlich, um einen literarischen Text in eine andere Sprache zu übertragen?

Man muss seine eigene Muttersprache beherrschen, und das ist deutlich weniger trivial als es klingt. Und natürlich ein Gespür für Tonlagen, Stilebenen usw. in der Fremdsprache haben.

Die meisten Leser kennen den Namen von Nick Hornby oder Jonathan Safran Foer, viele aber wohl leider nicht deinen. Empfindest du das als frustrierend? Glaubst du, dass die mangelnde Wahrnehmung in der Öffentlichkeit ein generelles Problem der Übersetzer ist oder etwas, das für Deutschland spezifisch ist?

Das ist überall auf der Welt so, und ja, es ist manchmal frustrierend. Ich finde nicht, dass jede Buchbesprechung eine Übersetzungskritik beinhalten muss, aber sobald ein Rezensent etwas über die Sprache „des Autors“ schreibt, muss er doch dazusagen, dass er die Sprache einer Übersetzerin gelesen hat.

Gibt es etwas, das du dir für dich und deine Übersetzerkollegen und –kolleginnen wünschen würdest?

Genau das: Mehr Wahrnehmung und Wertschätzung. Man wird oft als austauschbar betrachtet, ist das vielleicht auch in einem gewissen Maße, aber es ist bei weitem nicht egal, wer ein Buch übersetzt.

2012 ist dann dein erstes Buch „Sachen machen“ erschienen, in diesem Frühjahr folgte der Roman „Der Pfau“. Woher kam der Wunsch, nicht nur zu übersetzen, sondern auch zu schreiben?

„Sachen machen“ hat sich aus dem Blog ergeben, das ist eine Sammlung kurzer Erlebnisberichte über Dinge, die ich ausprobiert habe. Komische Sportarten, irgendwelche Veranstaltungen besucht, sowas. Den „Pfau“ habe ich geschrieben, weil er einen wahren Kern hat, und den fand ich so abgefahren, dass ich die Geschichte aufschreiben wollte.

Welcher Arbeitsprozess ist denn anstrengender, das Übersetzen oder das Schreiben des eigenen Buches?

Beim Schreiben ist die emotionale Amplitude höher. Mehr Selbstzweifel, wenn es nicht läuft, stärkeres Glücksgefühl, wenn man eine Szene für gelungen hält. Aber beides ist anstrengend und beglückend.

Du schreibst und übersetzt nicht nur, sondern betreibst auch noch mit Maximilian Buddenbohm ein spannendes Blogprojekt. Auf „Was machen die da?“ fragt ihr Menschen, was sie machen und fotografiert sie dabei. Gibt es eine Begegnung, die dir dabei besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Kann ich nicht sagen – alle diese Begegnungen hatten etwas Besonderes. Wir suchen ja ausdrücklich Menschen, die das, was sie tun, gern tun. Wenn man diese Leute mal ausführlich über ihre Tätigkeiten sprechen lässt, dann ist das immer großartig. Begeisterung steckt an, die Hälfte der Berufe wollte ich hinterher sofort ebenfalls ergreifen.

Nebenbei hast du auch noch einen eigenen Blog, auf „is a blog“ schreibst du vor allen Dingen über deine Arbeit als Schriftstellerin. Wie kamst du auf die Idee, das Medium Blog zu nutzen?

Haha, nein: Das Blog gibt es schon seit 11 Jahren, da hätte ich nicht mal im Entferntesten geglaubt, jemals einen Roman schreiben zu können (Irgendwie glaube ich das immer noch nicht). Angefangen habe ich damit, weil man als Übersetzerin ja normalerweise allein zu Hause am Schreibtisch sitzt, und ich eigentlich zu kommunikativ bin für einen so einsamen Job. Da war das Internet immer mein Kommunikationsmedium. Später kamen dann Twitter und Facebook dazu als eine Art virtuelles Großraumbüro.

Du lebst und arbeitest in Hamburg, was macht die Stadt für dich besonders? Und was sind deine literarischen Geheimtipps für Hamburg?

Die Elbe! Und überhaupt das viele Wasser. Das macht Hamburg so schön, ich wohne hier wirklich aus Überzeugung. Ich fürchte, literarische Geheimtipps habe ich gar nicht. „Literatur in Hamburg“ liegt überall aus, da stehen die wichtigsten Termine drin, ansonsten gibt es gefühlte 800 Poetry Slams, aber ich war ewig auf keinem mehr.

Zum Abschluss würden wir gerne dein Lieblingszitat aus dem Buch erfahren, das du bei der Electric Night vorstellen wirst!

„Laurits glaubte diese Geschichte. Er glaubte alles, was sein Vater sagte. Er glaubte an Gott.“


Isabel Bogdan schreibt:

Isabel Bogdan übersetzt: