Simone Dalbert – Bloggerin, Buchhändlerin und eBook-Expertin – schreibt für edel & electric in loser Folge Texte. Heute gibt es von ihr einen Nachbericht zum eBookCamp, das vergangenen Samstag in München stattfand.

Am Samstag, den 20. Februar 2016, fand in München wieder einmal das eBook Camp statt. Das eBookCamp in München wird gemeinsam vom Arbeitskreis für Elektronisches Publizieren (AKEP),  dem Bayerischen Landesverband im Börsenverein des Deutschen Buchhandels und dem Werk1, einem Gründerzentrum für die Digitale Wirtschaft in München, veranstaltet. Ursprünglich wurde die Veranstaltung in Hamburg gestartet, dort wird sie regelmäßig im Herbst durchgeführt. In München wurde das Format übernommen und fand dieses Jahr zum dritten Mal statt, hier trifft sich die eBook Branche regelmäßig im Frühjahr.

Werk1 eBook Camp

Was ist das eBook Camp?

Das eBook Camp ist eine Konferenz rund ums digitale Publizieren. In mehreren Vorträgen geht es um die verschiedensten Themen rund ums eBook. Bis zu welchem Grad der Digitalisierung ist es überhaupt noch ein Buch? Welche Möglichkeiten digitaler Umsetzungen gibt es? Welche Probleme treten beim Gestalten von eBooks auf? Wie gehen Buchhändler, Leser und Verlage mit den digitalen Formaten um? Welche Lösungen und Ideen gibt es, um das digitale Lesen zu verbessern?

Warum heißt es eBook Camp? Das Format des eBook Camps lehnt sich an das BarCamp an. Ein BarCamp ist eine Unkonferenz, ein offenes Format, bei dem vor der Veranstaltung selbst noch keine Vorträge feststehen. Das Programm wird während der Konferenz von den Teilnehmern gestaltet, die Sessions zu verschiedensten Themen vorschlagen. Je nach Interesse der Teilnehmer wird dann das Programm festgelegt.

Beim eBook Camp gibt es allerdings einen Unterschied zum üblichen BarCamp Format, denn die Themen der Vorträge stehen schon vorher fest. Es gibt einen Call for Paper, aus den eingereichten Themenvorschlägen wählen die Veranstalter so viele Themen aus, wie Slots zur Verfügung stehen. In München standen neun Slots zur Verfügung, drei Vorträge liefen jeweils parallel. Die Verteilung der Themen auf die Slots erfolgte nach Anzahl der Interessenten an einem Thema, weil unterschiedlich große Räume verfügbar waren. Das ist dann nur noch ein halbes BarCamp, gibt andererseits aber mehr Sicherheit, dass auch wirklich genügend Vorträge stattfinden. Ein chronisches Problem bei allen BarCamps ist übrigens, dass die Entscheidung schwer fällt, zu welchem Vortrag man denn nun gehen soll, weil garantiert zwei gleichzeitig stattfinden, die man gerne hören würde. Das ist auch bei jedem eBook Camp garantiert der Fall.

Sessionplan eBook Camp

Programm mit Kurzvorstellung der Sessions

Die Qual der Wahl, welche drei Vorträge möchte man mitnehmen? Meine erste Wahl fiel auf „Digitale Bemusterung leichtgemacht“, in dem Bookwire verschiedene Möglichkeiten mit Vor- und Nachteilen vorstellte, wie man als Verlag Buchhändler und Presse mit digitalen Leseexemplaren versorgen kann. Danach ließ ich mir von den Münchner Stadtbibliotheken über ihre Erfahrungen mit der Onleihe in „eBooks in öffentlichen Bibliotheken – das auch noch?!“ berichten. Die Onleihe, also die Möglichkeit eBooks in der örtlichen Bibliothek zu leihen, wird in den letzten Jahren immer stärker nachgefragt, die Bibliotheken können die Nachfrage kaum decken. Leider weigern sich einige Verlage immer noch, ihre Titel auch in der Onleihe zur Verfügung zu stellen. Titel großer Verlagsgruppen wie Holtzbrinck und Bonnier fehlen komplett. Im dritten Vortrag wurde es kuschelig, viele Zuhörer wollten von Hannerose Mandik und Fabian Kern hören, wie sie das neue eBook Layout für Kiepenheuer & Witsch entwickelten, auf welche Probleme sie dabei stießen und wie sie gelöst wurden. Der Sauerstoff im Raum wurde am Ende knapp, aber für den Vortrag hat es sich gelohnt, ein wenig zu leiden. Den neuen Roman von Frank Goosen möchte ich jetzt gerne als eBook lesen, um die neue Typografie bewundern zu dürfen.

Collage eBook Camp

Mindestens so wertvoll wie der Input aus den Vorträgen ist die Netzwerkzeit beim eBook Camp. Es lohnt sich, etwas früher da zu sein. Aber auch in den Pausen sind genügend Möglichkeiten zum Netzwerken vorhanden. Die lockere Atmosphäre beim Camp hilft dabei, hier wird nämlich jeder geduzt. Manch einer vielleicht nur während der Zeit des Camps, aber auf dem eBook Camp herrscht Siez-Verbot. Wer siezt, bekommt nichts vom Kuchen ab! Das eBook Camp ist eine schöne Gelegenheit, alte Bekannte zu treffen und neue kennenzulernen. Nach jedem Camp ist das Netzwerk wieder etwas gewachsen, in beide Richtungen. Virtuelle Bekanntschaften werden in reale verwandelt, neue reale in virtuelle, um auch nach dem Camp in Kontakt zu bleiben. Interessant sind dabei auch immer die Kontakte in Branchenecken, mit denen man sonst nur wenige Berührungspunkte hat.

Wer sollte zum nächsten eBook Camp fahren? Alle, die sich irgendwie mit eBooks beschäftigen. Hier trifft man (ein paar wenige) Buchhändler ebenso wie Verlagsmitarbeiter aus den verschiedensten Abteilungen, Start Ups genauso wie traditionelle Verlage, Dienstleister und Zwischenhändler. Es lohnt sich immer, auch einmal einen Vortrag zu hören, der mit den eigenen Themen nicht wirklich zu tun hat. Meistens kommt man doch mit mindestens einer neuen Idee wieder heraus. Ein BarCamp ist ein Katalysator für neue Ideen, wenn man sich darauf einlässt. Das gilt auch für das eBook Camp, ich bin mit mindestens drei Blogbeitragsideen wieder nach Hause gekommen und habe viele interessante Einblicke mitgenommen. Wer nachträglich dabei sein will, kann auf Twitter unter dem Hashtag #ebcmuc nachlesen, wie es in München war.

P.S.: Zum Nachlesen des eBook Camps haben wir außerdem ein Storify erstellt – viel Spaß beim Durchklicken:

 

Nach Abschluss eines Biologiestudiums hat Simone Dalbert eine Ausbildung zur Sortimentsbuchhändlerin gemacht. Seit zehn Jahren ist sie als Buchhändlerin in verschiedenen Bereichen tätig, unter anderem auch Social Media und Online-Marketing, Aufbau und Pflege des Online-Shops und die Warengruppe eBook. Sie führt in Buchhandlungen und Bibliotheken außerdem regelmäßig eBook-Informationsveranstaltungen durch. Bloggt und podcastet privat auf www.papiergefluester.com zu  Büchern, Buchhandel und eBooks.

Simone Dalbert