Markus Michalek arbeitet seit dem Jahr 2010 für die von Roman Hocke gegründete Literaturagentur AVA international und betreut deutschsprachige Autoren aus den Bereichen Belletristik und Sachbuch sowie Kinder- und Jugendbuch. Dazu gehören unter anderem die internationalen Bestsellerautoren Wulf Dorn, Sebastian Fitzek, Ursula Poznanski und Markus Heitz. edel & electric-Redakteurin Mara Giese hat ihn zu seinem Arbeitsalltag als Literaturagent, den Veränderungen durch die Digitalisierung und aktuelle Anforderungen an Autoren befragt.

Markus Michalek Literaturagent

© Raimund Verspohl

Du arbeitest als Agent bei der Literaturagentur AVA International – wie kam es dazu?

Zufall, Glück oder vielleicht Fügung? Von Max Dorner – Autor, Lektor und Herausgeber des „Isarstrands“, wurde ich Ende 2009 gefragt, ob ich mir vorstellen könne, für eine Literaturagentur zu arbeiten. Klassisch im Vorlektorat, also für die Prüfung unverlangter Manuskripte.

Dass es Literaturagenturen gibt, wusste ich, auch wenn meine Pläne eigentlich andere waren: Denn gerade erst hatte ich mich endlich dafür entschieden, in München zu bleiben, um mein Studium zu beenden. Schreiben gehörte zu den festen Bestandteilen meines damaligen Lebens, ich führte seit 2007 unter einem Alter Ego einen literarischen Blog, so manches wurde immer wieder publiziert, regelmäßig gab ich Lesungen als „junger Wilder“. Damals hoben auch drei Freunde und ich das bis heute erscheinende Literaturmagazin „Das Prinzip der sparsamsten Erklärung“ aus der Taufe. Mein Interesse für das Verlagswesen, für den Buchmarkt und am Literaturzirkus wuchs immer mehr, als sich just zum Jahreswechsel 2009 eben über Max Dorner die Möglichkeit zu eröffnen schien, aus der Szene heraus in die Professionalität hinein zu schmecken.

Umso größer meine Neugier auf die AVA. Denn so manchen Autor, den die Agentur heute noch vertritt, hatte ich schon mal gelesen; natürlich Michael Ende, aber z.B. auch Hans Bemmann oder Konsalik. Jedenfalls lernten Roman Hocke und ich uns kennen, wir sprachen eine gute Stunde miteinander und im Januar 2010 begann ich in der AVA zu arbeiten, als Werkstudent im Vorlektorat. Der Rest ist Geschichte.

Kannst du mir etwas über deinen Aufgabenbereich erzählen?

In der Philosophie der AVA verbinden wir die Arbeit als Agent mit einer sicheren, professionellen Handhabe in inhaltlicher, juristischer und kaufmännischer Hinsicht. Oder aus der Praxis heraus formuliert: Du hast so etwas wie eine Trüffelnase, möglichst breite und zugleich je nach möglicher inhaltlicher Spezialisierung zudem sehr vertiefte inhaltliche Kenntnisse und traust dir zu, zu erkennen, was möglichst gute Chancen und Potenzial haben könnte. Du kannst dich für die kreative Arbeit von Anderen wirklich begeistern und bist bereit, dich in deren Dienst zu stellen. Du kannst gut verkaufen, gut verhandeln und gute Verträge abschließen, die allen Parteien bella figura ermöglichen. Und bei all dem denkst du immer an das Wohl der Agentur-AutorInnen.

Sind einmal Verlag(e) oder bei weiterführenden Lizenzen weitere Medienpartner gefunden, endet die Arbeit des Agenten allerdings nicht. Denn als Agenten betreuen wir mit dem Team der AVA seit bald vierzig Jahren unsere AutorInnen von der Idee bis hin zum fertigen Buch. Gerade in der weiteren Zusammenarbeit zwischen Autor und Verlag, bzw. Medienpartner sind Agenten mit ihren Agenturen oft genug geschätzte Partner. Und das ganze natürlich über hoffentlich sehr viele Jahre, in denen tolle Bücher entstehen, hinweg.

Und wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Gespräche mit AutorInnen, Verlagen oder Multiplikatoren, inhaltliche Arbeit, Verwaltungsarbeit, (manchmal: Interviewanfragen beantworten), Denkarbeit, Jubelanlässe, inhaltliche Arbeit, Gespräche mit AutorInnen, Verlagen oder Multiplikatoren, Verwaltungsarbeit, Denkarbeit, immer gern noch weitere Jubelanlässe, inhaltliche Arbeit, Gespräche mit … und das da capo al fine und ehrlicherweise keinesfalls nur 9 to 5. Auch wenn sich auf den ersten Blick manche Vorgänge gleichen mögen, die Inhalte variieren jedes Mal. Langweilig wird es also nicht.

Du lernst vor allem durch die Tätigkeit, die Wege dorthin sind eben vielfältig. Neben den bereits genannten Kenntnissen, die für ein Mindestmaß an Professionalität unabdingbar sind, helfen auf dem Weg eines Agenten auch Empathie, Kreativität, Offenheit, Leidenschaft, Bauchgefühl, Geduld und Biss. Plus, ein gutes Netzwerk, denn ohne geht es nicht.

Spannend finde ich die Tatsache, dass es (noch) kein Studium und auch keine Ausbildung zum Literaturagenten gibt. Woher weißt du eigentlich, was du tun musst?

Vorige Generationen von Agenten kamen üblicherweise aus Positionen in Verlagen zu ihrer neuen Tätigkeit, das hat sich heute doch etwas gewandelt. Ich glaube aber auch nicht, dass ein „klassisches“ Studium für das Erlernen des Agentenberufs der noch zu findende, beste Weg ist. Das wäre in meinen Augen eher eine von mehreren möglichen Weichenstellungen. Lektor wird man heutzutage ja beispielsweise durch ein Volontariat und nicht ausschließlich durch ein Studium, wobei Ausnahmen wie immer die Regel bestätigen.

Ähnlich ist es jedenfalls beim Agenten. Du lernst vor allem durch die Tätigkeit, die Wege dorthin sind eben vielfältig. Neben den bereits genannten Kenntnissen, die für ein Mindestmaß an Professionalität unabdingbar sind, helfen auf dem Weg eines Agenten auch Empathie, Kreativität, Offenheit, Leidenschaft, Bauchgefühl, Geduld und Biss. Plus, ein gutes Netzwerk, denn ohne geht es nicht. 

Wie viele Manuskripte erhaltet ihr denn im Monat und wie viele davon werden unverlangt eingesendet?

Der monatliche Durchschnitt liegt gern mal im zweistelligen Bereich pro Tag.  

Wie viel Prozent werden davon letztlich erfolgreich vermittelt?

Wenige. Was vor allem daran liegt, dass wir nur wenige AutorInnen annehmen. Wir setzen in der AVA nicht auf Masse und AutorInnen richtig zu betreuen, verlangt seine Zeit.

Du betreust als Agent natürlich auch Digitalverlage – hat das eBook euer Geschäft und eure Arbeit in irgendeiner Form verändert?

Selbstverständlich. Die Abläufe sind hier deutlich schneller als im Printgeschäft. Es herrscht zugleich auch mehr Experimentierfreude, man denke nur an eine hoffentlich andauernde Renaissance der kurzen Form, oder anderer fast schon vergessen schienender Genres. So manches, was vor einigen Monaten noch als Standard galt, mag übermorgen schon wieder überholt sein.

Im Zusammenhang damit hat auch Selfpublishing als neuer Autorenweg, der vornehmlich im digitalen Bereich stattfindet, alles wesentlich verändert. Die Durchlässigkeit hat zugenommen, ist aber zugleich auch komplexer geworden. Das alles, als Teil eines großen Ganzen, zu beobachten und in geringem Umfang mitgestalten zu dürfen, ist auf jeden Fall spannend.

Durch die wirtschaftlichen Veränderungen in der Literaturbranche haben sich die Aufgaben von Lektoren, Verlagen und Agenturen mittlerweile immer weiter verschoben. Wofür seid ihr als Literaturagentur alles zuständig?

Das variiert natürlich je nach Autor oder Autorin. Klassisch wären bei uns in der AVA Aufgaben wie AutorInnenakquise, Inhaltsarbeit, Editionsstrategien, Verlagsakquise, Lizenzarbeit, Honorarbetreuung. Alles Weitere wäre modular den Umständen entsprechend gestaltet. Wir beobachten dabei, dass auch Tätigkeiten, vor allem in den Bereichen Presse und Veranstaltungen, durch Literaturagenturen zumindest akzidentiell zu wachsen scheinen.

Bei hockebooks handelt es sich um einen Agentenverlag. Sprich, wir handeln aus der Perspektive eines Agenten zum Wohl der AutorInnen und haben damit eine weitere Möglichkeit geschaffen, Titel auf dem Markt und damit für Leser verfügbar zu halten, ohne uns exklusiv an eine Verkaufsplattform binden zu müssen.

Eure Literaturagentur hat sich sogar gleich selbst dazu entschieden, eBooks zu veröffentlichen – letztes Jahr habt ihr dann hockebooks gelauncht. Worum handelt es sich dabei genau und was versprecht ihr euch davon?

hockebooks

Bei hockebooks handelt es sich um einen Agentenverlag. Sprich, wir handeln aus der Perspektive eines Agenten zum Wohl der AutorInnen und haben damit eine weitere Möglichkeit geschaffen, Titel auf dem Markt und damit für Leser verfügbar zu halten, ohne uns exklusiv an eine Verkaufsplattform binden zu müssen. Offenheit ist für uns sehr wichtig. Gleichzeitig schaffen wir damit auch Raum für eigene, originäre Erfahrungen im digitalen Buchmarkt.

In einer Konsequenz wäre das: Tritt ein Publikumsverlag oder ein anderer interessanter Medienpartner an uns heran, um einen der bei hockebooks veröffentlichen Titel zu akquirieren – was sowohl inländisch wie im Geschäft mit Auslandslizenzen bereits vorgekommen ist – versperren wir uns dem nicht. Im Gegenteil, mit Handkuss vermitteln wir diesen Titel, wenn es dem Wohl unserer AutorInnen dient, dann weiter. Sehen wir das also als Teil der Editionsstrategie für unsere AutorInnen.

Das Exposé, das Konzept sollte, unabhängig von seiner Länge, inhaltlich einen guten Überblick vermitteln und Strahlkraft besitzen. Verzaubert uns die Leseprobe, begeistert uns das Exposé, glauben wir an die Originalität des Stoffes und sehen wir zudem noch Chancen auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit in Hinblick auf eine erfolgreiche Vermittlung, dann nehmen Roman Hocke oder ich Kontakt zum Autor auf.

Zum Abschluss: Was sind die typischen Fehler, die Autoren beim Einreichen ihres Manuskripts machen?

Fehler gibt es eigentlich keine, sieht man von formalen Standards ab. Lass uns lieber darüber sprechen, wie es positiv liefe, darüber, was uns in der AVA gut gefällt, nämlich die wirklichen großen, originellen Geschichten:

Das Exposé, das Konzept sollte, unabhängig von seiner Länge, inhaltlich einen guten Überblick vermitteln und Strahlkraft besitzen. Verzaubert uns die Leseprobe, begeistert uns das Exposé, glauben wir an die Originalität des Stoffes und sehen wir zudem noch Chancen auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit in Hinblick auf eine erfolgreiche Vermittlung, dann nehmen Roman Hocke oder ich Kontakt zum Autor auf. Folgen würde ein Kennenlerntreffen. Denn die persönliche Ebene, die Haltung mögen unter wirtschaftlichen Aspekten vielleicht gering scheinen, umso wichtiger sind sie doch. Wenn danach noch alles gut geht …

Sebastian Fitzek hat alles richtig gemacht. Talent, Offenheit, Geduld, Ehrgeiz, die richtige Haltung und Vertrauen aufs Glück.

Sebastian Fitzek

© FinePic

Und was hat jemand wie der Bestsellerautor Sebastian Fitzek (über acht Millionen verkaufte Bücher) richtig gemacht?

Weil Du dezidiert nach Sebastian Fitzek fragst, der wie viele andere, heute sehr erfolgreiche AutorInnen der AVA über den Weg des Vorlektorats zu uns gekommen ist …

Was Sebastian Fitzek richtig gemacht hat? Diese Frage müsste man Roman Hocke stellen, der diesen unglaublichen Autor vor über 10 Jahren entdeckt hat. Ich habe mir die Nachfrage erlaubt und die Antwort von Roman Hocke lautet: „Sebastian Fitzek hat alles richtig gemacht. Talent, Offenheit, Geduld, Ehrgeiz, die richtige Haltung und Vertrauen aufs Glück.“  

AVA Autorensprechstunde