Simone Dalbert – Bloggerin, Buchhändlerin und eBook-Expertin – schreibt für edel & electric in loser Folge Texte. Heute geht es um den Kopierschutz bei eBooks und die Frage, ob es sich dabei um einen Fluch oder einen Segen handelt.

Kopierschutz bei eBooks

 

Wer eBooks liest, begegnet ihm irgendwann unweigerlich, dem Kopierschutz. Zum Teil wird er verwendet, um die Kunden in einem geschlossenen System zu halten. Apple und Amazon sorgen mit Hilfe des Kopierschutzes dafür, dass man einen großen Teil ihrer eBooks nicht legal in ein Format umwandeln kann, dass man auch auf anderen Geräten als den ihren lesen könnte. Aber auch wenn man ein eBook in Form eines epubs kauft, dem Format, das auf allen freien eBook Readern wie zum Beispiel dem Tolino, Pocketbook oder dem Kobo lesbar ist, entgeht man dem Kopierschutz nicht immer.

Es gibt den Kopierschutz in verschiedenen Formen, die angenehme ist das Wasserzeichen, auch als „weiches DRM“ bekannt, dessen Existenz bemerkt der Nutzer kaum. DRM steht für Digital Rights Management. Die unangenehmere Form ist der „harte Kopierschutz“, er wird auch „hartes DRM“ genannt.

Ist ein eBook mit weichem DRM geschützt, wird in der Datei hinterlegt, wer der Käufer des Nutzungsrechts für diese Datei ist, meistens in Form seiner eMail Adresse. Taucht die Datei irgendwann auf gewissen illegalen Seiten zum kostenlosen Download auf, ist der ursprüngliche legitime Nutzer identifizierbar. Bei der Nutzung selbst stört das Wasserzeichen nicht, man speichert die Datei einfach auf seinem Rechner, kopiert sie auf seine Lesegeräte, dabei gibt es keine Einschränkungen. Verleih und Verkauf sind aber auch damit nicht erlaubt, das gilt für alle eBooks.

Schwieriger ist es beim harten DRM. Möchte man ein eBook lesen, das mit diesem harten Kopierschutz versehen wurde, müssen vor der ersten Buchseite einige Schritte unternommen werden. Man muss sich bei Adobe eine Adobe ID zulegen, sich das kostenlose Programm Adobe Digital Editions installieren, den Computer über dieses Programm mit der Adobe ID autorisieren, dann den eBook Reader anschließen und ebenfalls mit der Adobe ID autorisieren. Ein eBook, das mit hartem DRM gesichert ist, kann man nur mit Adobe Digital Editions öffnen und von dort auf den eBook Reader kopieren. Ausnahmen sind Cloud-Systeme und eBook Reader, die mit acsm Dateien umgehen können, aber das würde hier zu weit führen.

Das sind viele Schritte, die einem den Lesegenuss vor dem ersten eBook schwer machen können. Ist die erste Einrichtung geschafft, ist das zweite eBook meist kein Problem mehr. Bis man seine eBooks auf einen anderen Rechner umziehen möchte, oder andere Wege findet, am harten DRM zu verzweifeln. Als Buchhändlerin, zu der die verzweifelten Kunden mit ihren Hilferufen kommen, kenne ich inzwischen viele Möglichkeiten, wie das geschehen kann.

Warum werden eBooks mit einem Kopierschutz versehen? Dateien lassen sich leicht und schnell weiterverbreiten. Das ist bei eBooks verständlicherweise ein Problem für Verlage und Autoren, die von den Einnahmen leben müssen. Mit Hilfe des Kopierschutzes wird also versucht, den Raubkopien Einhalt zu gebieten. Warum machen die Verlage ihren Lesern das Leben so schwer und verwenden nicht einfach das Wasserzeichen? Weil sie hoffen, dass ihre eBooks mit dem harten Kopierschutz besser geschützt sind. Leider ist das ein Trugschluss.

Kopierschutz eBooks

Bisher wurde noch jeder Kopierschutz geknackt, auch für diesen Kopierschutz gibt es Mittel und Wege. Wer es schafft, ein eBook mit hartem DRM zu lesen, schafft es auch, es davon zu befreien. Aber weniger technikaffine Leser scheitern oft am Kopierschutz und verzweifeln an dem Versuch, einfach nur ein eBook zu lesen. Rechtschaffenen Lesern wird das Lesen schwer gemacht, aber keinem ernsthaft verwehrt, ein eBook als Raubdatei in die Weiten des Internets zu entlassen.

Zum Glück werden inzwischen immer mehr Verlage vernünftig und wechseln zum benutzerfreundlichen Wasserzeichen als Kopierschutz. Auf lesen.net werden beispielhaft einige vorbildliche Verlage genannt, zu denen auch edel & electric gehört. Oder man kauft bei einer eBook Boutique wie Minimore ein, die aber nur ein ausgewähltes Programm anbietet.

Möchte man gerne eBooks ohne hartes DRM lesen, die auf allen freien Geräten ohne Einschränkungen leicht nutzbar sind, sollte man sich einen Online-Buchhändler aussuchen, der nicht Amazon ist, zum Beispiel buchhandel.de oder in seiner Buchhandlung des Vertrauens nachfragen. In den Online-Shops ist bei jedem eBook vermerkt, ob es mit hartem DRM oder nur einem Wasserzeichen geschützt ist, oder vielleicht sogar gar kein Kopierschutz vorliegt.

Viele Verlage tun es schon! Wir hoffen, dass ihnen die letzten störrischen Verlage folgen werden und ihren Lesern das Leben mit hartem DRM nicht länger unnötig schwer machen. Vor Dieben schützt es nicht, aber vor ehrlichen Lesern, die einfach nur lesen möchten.

Auch Sebastian Posth hat sich auf unserem Blog schon mit der Frage nach den Nutzungsrechten von eBooks beschäftigt: Über das Dateneigentum bei eBooks

Nach Abschluss eines Biologiestudiums hat Simone Dalbert eine Ausbildung zur Sortimentsbuchhändlerin gemacht. Seit zehn Jahren ist sie als Buchhändlerin in verschiedenen Bereichen tätig, unter anderem auch Social Media und Online-Marketing, Aufbau und Pflege des Online-Shops und die Warengruppe eBook. Sie führt in Buchhandlungen und Bibliotheken außerdem regelmäßig eBook-Informationsveranstaltungen durch. Bloggt und podcastet privat auf www.papiergefluester.com zu  Büchern, Buchhandel und eBooks.